Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?
Experten behaupten, dass in Deutschland eine negative Fehlerkultur vorherrscht: „In der Aus- und Weiterbildung der Ärzte spielt der positive Umgang mit Fehlern bislang keine Rolle“ (Prof. D. Groß, Medizinethiker an der RWTH Aachen im AZ-Interview). Dennoch: Die Suche nach einem besseren Umgang mit der menschlichen Unvollkommenheit beschäftigt viele Unternehmen im medizinischen Sektor.
Die meisten Menschen haben Angst vor Fehlern, insbesondere vor möglichen Sanktionen. Bereits Kinder werden durch Reaktionen Ihrer Umwelt auf unerwünschtes Verhalten geprägt. Man lernt, dass „nicht erfüllte Anforderungen“ mit negativen Konsequenzen verbunden sind (Verlust von Ansehen und Bewunderung, Bestrafung, Liebesentzug, verbale Attacken…). In Schule, Ausbildung und im Berufsleben geht es um „gute Noten“ – um „Fehlerfreiheit“.
Allein durch die Angst vor Fehlern können die Fehlerzahlen nicht verringert werden.
Wie schaffen wir eine neue Fehlerkultur, einen positiven Umgang mit dem, was „nicht rund läuft“? Jeder Fehler zählt, sollte ernst genommen und als Chance zur Verbesserung gesehen werden. Dabei sollten alle Beteiligten dazu beitragen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Fehler angstfrei benannt werden können.
Ein wichtiges Instrument von Qualitätsmanagement-Systemen ist der Umgang mit Fehlern und Beschwerden:Fehlermanagement heißt:
- Fehler erkennen und angstfrei benennen!
- Fehler korrigieren / beheben – gegenüber dem Patienten zugeben
- Fehler erfassen – aufschreiben (z.B.Fehlerprotokoll/ Fehlerliste, PC)
- Fehler analysieren – (Ursache, Wirkung, Priorität, Häufigkeit, Schweregrad)
- Fehler kommunizieren – auf einer internen Informationsplattform – oder praxisübergreifend über Internetforen (cirsmedical.de oder jeder-fehler-zaehlt.de)
- Korrektur-und Vorbeuge-Maßnahmen zur Fehlervermeidung festlegen und allen Mitarbeitern bekannt machen
- Maßnahmen einleiten – Organisationsstrukturen ggf. anpassen
- Maßnahmen auf Wirksamkeit überprüfen (definierter Zeitraum)
- Ggf. Maßnahmen modifizieren (Korrekturmaßnahmen)
Fazit: Analysieren statt toben!
Eine positive Fehlerkultur kann helfen Fehlerzahlen zu minimieren. Fehler müssen angstfrei offengelegt werden, damit man daraus lernen kann. Fehler- oder Beinahe-Fehler von Kollegen können vermieden werden (s. http://www.cirsmedical.de). Und ein konsequentes Qualitätsmanagement unterstützt mit vorausschauender Planung und Organisation, diese Fehler künftig zu vermeiden, bzw. schnell und nachhaltig aus ihnen zu lernen.
Fehler-Management: Weiterführende Links
- Berichts- und Lernsystem der deutschen Ärzteschaft für kritische Ereignisse in der Medizin www.cirsmedical.de und www.jeder-fehler-zaehlt.de Die Plattformen richten sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens, sind anonym, sicher und ermöglichen gegenseitiges Lernen aus Fehlern und kritischen Ereignissen. Die Buchstaben “CIRS” stehen für Critical Incident Reporting-System. Speziell für Hausarztpraxen wurde www.jeder-fehler-zaehlt.de eingerichtet.
- Infos zu Patientensicherheit
- Götter in Weiß: Auch Ärzte machen Fehler
- Fehlerkultur: Umsetzungsberatung
- Stiftung Gesundheit Qualitätsmanagement und Patientensicherheit in der ärztlichen Praxis 2010.
- Ich war´s ! Fehler machen (Regio IT- Aachen- Magazin LogIn: September 2011):
Beratung Fehlermanagement in der Arztpraxis
Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gerne entsprechend Ihrer Vorstellungen und Ziele: Ihre Nachricht an uns
OKT




Infos zum Autor
Ulla Engelhardt: Qualitätsmanagerin und Auditorin (TÜV cert), leitet die Abteilung Qualitätsmanagement der BB medica GmbH in Aachen. Sie berät Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Pflegedienste beim Aufbau von Qualitätsmanagement-Systemen. Weitere Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit sind Schulungen und Ablaufoptimierung.