Praxismarketing Basics:
- Weiße Liste: Seit 2011 wird die von der Bertelsmann Stiftung initiierte Weiße Liste immer relevanter für Ärzte, spätestens seit die AOK, die Barmer EK und andere Krankenkassen ihre Patienten darüber befragen (Ergebnisse sollen 2012 veröffentlicht werden), und dadurch einen Effekt auslösen, der das Bewerten von Ärzten immer selbstverständlicher werden lässt. Meine Prognose ist, dass die Weiße Liste in den kommenden Jahren das Potenzial zum Primus hat, weil die Kombination aus wachsendem Druck seitens der Krankenkassen, dazu die Autorität eines nicht kommerziellen und für Ärzte kostenlosen Portals, sowie das moderne und nutzerfreundliche Design auf Dauer unwiderstehlich sind. Lobenswert finde ich vor allem, dass Bewertungen erst dann öffentlich werden, wenn auch eine ausreichende Zahl vorhanden ist.
- Arztauskunft: Das angestaubt wirkende Portal hat es in sich, denn die hier eingegebenen Daten werden in zahlreichen anderen Arztsuchen verwendet. Ein Eintrag hier besitzt also eine große Hebelwirkung und ist, da kostenlos, unbedingt zu empfehlen.
- Jameda: Aufgrund seiner Vernetzung mit diversen Arztsuchen in großen Publikationen wie Focus Online, Bild.de u.a., sowie mit Google Places weist Jameda eine sehr hohe Reichweite auf. Die Gestaltung ist hochwertig und zumindest zu Beginn übersichtlich, und im Gutachten der ÄZQ gehört Jameda seit Jahren stets zu den besten Portalen. Leider ist den Machern von Jameda die Bedeutung für Markt nur allzu bewusst, denn anders sind die hohen Monatsbeiträge, die inzwischen allein schon für einen Eintrag mit Praxislogo und Link zur eigenen Homepage fällig werden, nicht zu erklären. Trotzdem bleibt das Portal aufgrund der Häufigkeit, mit der hier Bewertungen eintreffen, unverzichtbar, und kann mit einigen Einschränkungen auch kostenlos genutzt werden.
- Imedo: Das Portal ist durch Kooperationen mit zahlreichen Portalen wie Spiegel Online, Manager Magazin, u.a. gut vernetzt und zielt durch die Auswahl der Partner auf eine wohlhabendere Klientel unter den Internetnutzern (Ob das automatisch zu einem höheren Anteil an Privatpatienten führt, die über dieses Portal vermittelt werden, ist natürlich kaum zu beurteilen). Auch hier wird der Eintrag erst in der kostenpflichtigen Form mit einer attraktiveren Darstellung und Verlinkung zur eigenen Seite belohnt. Für Ärzte, die Beiträge in Foren und damit den direkten Patientenkontakt nicht scheuen (und den Wert für die Suchmaschinenplatzierung ihrer Homepage kennen), lohnt sich indes ein Blick in die Imedo Community.
- Docinsider: Dieses Portal ist u.a. mit Google Places vernetzt und unternimmt viel, um Ärzten beim Sammeln von Patientenmeinungen zu unterstützen. Dazu gehört neben der sehr übersichtlichen und einladenden Gestaltung auch eine gut gemachte iPad-Anwendung, die Ärzte am Besten direkt im Wartezimmer einsetzen, um Bewertungen zu erhalten. Da der kostenlose Eintrag schon den Link auf Ihre Homepage beinhaltet, ist das Portal absolut zu empfehlen und auch ein Kandidat für den Ausbau.
Strategien für Ärzte und Arztpraxen
im Umgang mit Bewertungsportalen.
- Bei negativen Bewertungen: Prüfen, ob die Kritik sachlich oder schlichtweg diffamierend und persönlich verletzend ist. In letzterem Fall sind Ihre Chancen sehr hoch, dass der Betreiber den Eintrag entfernt, wenn Sie ihn darauf hinweisen und Ihre Gründe darlegen.
- Aktiv für Bewertungen zufriedener Patienten werben. Einige Anbieter wie DocInsider und Jameda helfen sogar mit Anwendungen, die Sie zum Beispiel über einen Tablet PC / iPad im Einzelgespräch mit dem Patienten (z.B. bei der Nachuntersuchung) verwenden können, um den Patienten noch in Ihren Räumen für eine Bewertung zu gewinnen. Erklären Sie ihm oder ihr, wie wichtig sein Urteil für andere Menschen und natürlich auch für Sie als Arzt sein kann. Und es ist nichts verwerfliches dabei, wenn der Patient seine Freude über eine erfolgreiche Behandlung öffentlich macht (ohne dafür medizinische Details nennen zu müssen).
Eines sollte Ihnen klar sein: Unzufriedene Patienten, so klein diese Gruppe in Ihrem Fall sein mag, waren immer schon deutlich schneller und vor allem ungefragt bereit, ihr negatives Urteil über die Arztpraxis zu veröffentlichen, z.B. in Gesundheitsforen. In Zeiten von Social Media und Bewertungsportalen gewinnen die Unzufriedenen leicht überdurchschnittlichen Einfluss auf Ihren Ruf im Internet. Doch sind Ärzte keinesfalls machtlos, sie können ihre Patienten einbinden und damit dauerhaft ihren guten Ruf schützen und festigen. Sie müssen allerdings handeln, und das am Besten sofort!
NOV




Infos zum Autor
Tim Adams ist Berater für Kommunikation mit Schwerpunkt Online Marketing und leitet die Agentur Evoloop Communication in Köln.